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Die traditionelle Markgräfler Tracht

Etwas muffig hat es vielleicht gerochen, als man 1995 im Weingut Kraft in Auggen eine alte Truhe öffnete. Heraus kam,mit getrockneten Orangenscheiben konserviert, eine Markgräfler Alttracht, wie sie vor 300 Jahren getragen wurde. Die Tracht, die Johann Peter Hebel um 1800 in seinem Gedicht „Die Wiese“ liebevoll als „Vrenelitracht“ bezeichnet.

Die traditionelle Markgräfler Tracht 1
Besucherinnen des Müllheimer Stadtfestes in Markgräfler Tracht (© Volker Münch, Markgräfler Presseservice (MPS)

Hebel widmet das Gedicht dem volkstümlichen Frauengewand der Markgräflerinnen, bestehend aus rund neun Metern Stoff. Es war ein langes, hochgeschlossenes Kleid mit langen Ärmeln, dessen so genannter „Zwickelrock“ aus einzelnen Streifen zusammengenäht war. Dazu eine kleine Haube mit „Lesch“, einer kleinen Schleife. „Dotschchappe“, Mädchenkappe, nennt Hebel diese Kopfbedeckung schelmisch. Die Vrenelitracht war das Gewand der wohlhabenden Leute. So legten die benötigten Stoffe teilweise einen Weg von Lyon oder Mailand bis ins Markgräflerland zurück.

Als der Markgraf Karl Friedrich 1783 die Leibeigenschaft aufhob, konnten Textilien industriell produziert werden. So wurde die Tracht mit der Zeit Erkennungszeichen für die evangelischen Bürger des Markgräflerlands, die das Gewand mit Stolz zu Sonn- und Feiertagen trugen.

Die Tracht ging mit der Mode. Bei einem Besuch eines Trachtenfestes, zum Beispiel in Müllheim oder in Weil am Rhein, stechen besonders die eigentümlichen Kopfbedeckungen der Damen ins Auge. Die ursprünglich zierliche Schleife wurde im Laufe der Jahre zu einem auffällig wuchtigen Kopfschmuck, der Hörnerkappe – eine schwarze Haube, auf deren Oberfläche eine riesige Schleife befestigt ist. Der Stoff für diese Schleife misst bis zu vier Meter Länge. Von den seitlichen Flügeln der Schleife hängen links und rechts jeweils zwei Bänder bis auf die Schultern hinab. Diese Kopfbedeckung ließ wohl nicht nur den Dichter Victor Hugo an große schwarze Schmetterlinge, „grand papillon noir“, denken.

Trachtengruppen halten die althergebrachte Tradition am Leben

Wurde sie noch bis in die 1930er Jahre getragen, so ist die Markgräfler Tracht heute im Alltagsgebrauch fast ausgestorben. Trotz der schweren Kopfbedeckung haben es sich die Schliengener Landfrauen es zur Aufgabe gemacht, die Tradition ihrer Vorfahren zu wahren. Wie ihre Mütter und Großmütter tragen sie sonntags wieder ihre Tracht. Trachtengruppen in vielen Ortschaften bemühen sich um die Pflege der althergebrachten Gewänder.

Die Herren haben es da etwas leichter als die Damen. Denn optisch unterscheidet sich ihre Tracht nur unwesentlich von einem normalen Anzug. Beim traditionellen Volkstanz, den die Trachtengruppen ebenfalls pflegen und regelmäßig aufführen, wird das althergebrachte Brauchtum wieder lebendig. Und dass die Tracht eine Zukunft hat, hat sich zuletzt beim 3. Deutschen Kinder- und Jugendfestival gezeigt, das im Rahmen der Heimattage 2010 in Müllheim veranstaltet wurde und an dem die junge Generation auch die Markgräfler Tracht präsentierte.

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